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Blockchain: Was steckt dahinter und wie betrifft es den Handel?

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Experte

In den Medien begegnen mir in letzter Zeit die Themen Blockchain und Bitcoin sehr häufig. Viele sprechen davon, dass die Blockchain-Technologie mit Blick auf das Bezahlen vieles verändern wird. Was muss ich als Händler darüber wissen?

 

Marion P.
Onlinehändlerin aus Magdeburg

V

iele vergleichen sie bereits mit der Erfindung des Internets, was die Auswirkungen auf die Gesellschaft angeht: Die Rede ist von der Blockchain – einer neuen Methode der Verifizierung und Speicherung von Transaktionen. Bekannt wurde die Blockchain-Technologie mit der Erfindung der Kryptowährung Bitcoin, die 2009 als virtuelle Geldeinheit eingeführt wurde. Dabei handelt es sich um eine der ersten Währungen, die ganz ohne Münzen und Scheine auskommt und auf dem Blockchain-Konzept aufbaut. Die Blockchain ist sozusagen die Basistechnologie, die hinter dem virtuellen Geld steckt. Schnell stellte sich aber heraus, dass Blockchain mehr als Bitcoin ist und auch in anderen Branchen außerhalb der Finanzwelt genutzt werden kann: Ob Echtheitszertifizierung, Lieferkettendokumentation oder Identitätsmanagement, die Anwendungsfelder der Blockchain sind zahlreich und eröffnen viele neue Wege – dadurch wird sie auch für den Handel wichtig. Die große Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten stellt aber auch eines der Probleme der Blockchain dar. Viele potenzielle Anwendungsfelder werden im Moment diskutiert, aber es mangelt noch an konkreten Umsetzungen.

Damit wir bei Concardis bei solchen und ähnlichen Innovationen in der Finanztechnologie immer auf dem aktuellen Stand sind, arbeiten wir eng mit dem ProcessLab der Frankfurt School of Finance & Management zusammen. Friedrich Holotiuk, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Frankfurt School, und Christoph Jung, Vice President eCommerce Competence Center bei Concardis, geben einen Einblick darin, was für Händler mit Blick auf die Blockchain wichtig ist.

 

Das macht die Blockchain so besonders mit Blick auf das Bezahlen

Das Besondere an der Blockchain-Technologie ist, dass es sozusagen ein gemeinschaftliches System gibt, in dem Transaktionen, wie zum Beispiel Zahlungen zwischen Sender und Empfänger, gespeichert werden. Neue Transaktionen werden jedoch nur dann in dieses System aufgenommen, wenn alle Mitglieder des Systems dazu einwilligen und anschließend die Transaktion verifizieren und bestätigen. Nachfolgend werden die Informationen über diese Transaktion verteilt auf alle Mitglieder des Systems gespeichert. Dies ist einer der Grundpfeiler der Blockchain-Technologie: Daten werden nicht zentral auf einem Server, sondern verteilt auf allen Rechnern der Mitglieder im System gespeichert. Somit können Transaktionen auf sichere Weise innerhalb des Systems direkt zwischen Sender und Empfänger getätigt werden – also ohne die Zwischenschaltung von sogenannten Intermediären wie beispielsweise Banken, die derzeit die Verifizierung und Bestätigung von Transaktionen übernehmen. Diese direkten Zahlungen werden in der Fachsprache auch peer-to-peer (engl. von-Person-zu-Person)-Zahlungen genannt. Das spart viel Zeit, denn aktuell brauchen Geldüberweisungen bis zu drei Werktage bis sie beim Empfänger ankommen, bei Auslandsüberweisungen sogar deutlich länger. Die Blockchain-Technologie macht es möglich, dass Zahlungsempfänger sofort über das Guthaben verfügen können – ein Geldtransfer, der so schnell und direkt ist wie der Versand einer E-Mail.

Klassische Kontoführungsgebühren könnten mithilfe der neuen Technologie überflüssig werden, denn wer weiß, ob im Zeitalter von Blockchain-Transaktionen überhaupt noch traditionelle Bankkonten, wie wir sie heute kennen, existieren werden?

 

Das steckt hinter der Blockchain

Die Blockchain-Technologie ist komplex und ähnlich wie beim Internet sind die Prozesse dahinter für den Laien nur schwer zu verstehen. Wir von Concardis wollen dennoch einen Einblick geben, wie das System funktioniert: Im Grundsatz muss man sich die Blockchain wie eine Aneinanderreihung von berechneten und verschlüsselten Datenblöcken vorstellen. Jeder Datenblock enthält dabei spezifische Informationen über die zurückliegenden Transaktionen. Die Datenblöcke (= engl. blocks) sind mit den Informationen des vorangehenden und des nachfolgenden Datenblocks verknüpft und bilden somit eine Kette (= engl. chain). Das Prinzip gleicht dabei dem einer Perlenkette: Es ist unmöglich, eine einzelne Perle aus der Mitte der Kette zu entfernen. So ist es auch mit den Datenblöcken, die in der Blockchain fest verankert sind. Nachdem Transaktionen einmal verifiziert und von der Blockchain bestätigt wurden, können sie nicht mehr verändert oder gar entfernt werden. Diese Unveränderlichkeit der Daten macht die Blockchain besonders sicher gegen Manipulation.

Mehr Interesse an der Funktionsweise der Blockchain? Dann empfehlen wir einen Blick in dieses Demo-Video.

 

Hier wird die Blockchain für den Handel relevant

Insgesamt ist die Blockchain-Technologie in der Lage, den Handel, so wie wir ihn heute kennen, stark zu verändern. Bitcoin ist ein erstes Beispiel dafür, dass Geld und Bezahlprozesse mithilfe der Blockchain neu gedacht werden können. Noch ist nicht klar, wo die Blockchain in Zukunft überall Anwendung finden wird, doch schon jetzt befassen sich viele Banken, Industrieunternehmen und vor allem FinTechs damit, wie sie die Blockchain zur Optimierung von Prozessen oder sogar zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einsetzen können. Auch im Handel zeichnen sich erste Anwendungsfälle für Blockchain ab:

•   Nachnahme per Smart Contracts
Ein Anwendungsbeispiel für den Einsatz der Blockchain sind sogenannte Smart Contracts, also „kluge Verträge“. Damit sind Verträge gemeint, die in der Blockchain gespeichert sind und bei der Erfüllung bestimmter Bedingungen automatisch in Kraft treten. Sie bedürfen keinerlei menschlicher Überwachung. Wo früher beispielsweise noch ein Notar nötig war, kann zukünftig die Rechtssicherheit durch die Blockchain gewährleistet werden. Dabei folgen diese Abmachungen immer einer „Wenn…, dann…“-Logik. Smart Contracts können so beispielsweise das Nachnahme-Verfahren für Bestellungen optimieren.

Mit der Blockchain-Technologie kann geregelt werden, dass das vom Empfänger bereits überwiesene Geld erst dann beim Versender eingeht, wenn im System registriert worden ist, dass die Ware beim Empfänger angekommen ist – der Paketdienst muss den Barbetrag für das gelieferte Produkt also nicht mehr abkassieren. Das macht das Nachnahme-Verfahren per Smart Contracts kostengünstiger. Denn aktuell berechnen Paketdienste hohe Gebühren für diesen aufwendigen Service.

 

•   Cross-border Services in Echtzeit
Mithilfe der Blockchain gelang es erstmals, eine Überweisung über Ländergrenzen hinaus in Echtzeit zu tätigen. Anstatt drei bis vier Werktage dauerte beispielsweise eine Transaktion zwischen Kanada und Deutschland nur wenige Sekunden. Um Überweisungen rund um den Erdball zu ermöglichen, müssen Sender und Empfänger an das gleiche blockchainbasierte Zahlungsnetzwerk angebunden sein. Besonders praktisch: Mithilfe des digitalen Systems kann auch der Währungstausch vollständig automatisiert werden – die Umrechnung erfolgt dabei nach dem besten aktuell verfügbaren Preis. Mit einem ersten Testlauf wurde bewiesen, dass Blockchain-Transaktionen auch im echten Leben funktionieren können und somit das Potential bieten, den internationalen Zahlungsverkehr schneller und kostengünstiger zu machen.

 

Das müssen Händler tun

Noch hat die Blockchain-Technologie keinen Einzug in unseren Alltag erhalten. Deshalb müssen Händler derzeit keine Veränderungen ihrer IT-Systeme vornehmen oder anderweitig aktiv werden. Sie sollten aber die Entwicklung beobachten. Denn sobald konkrete und vor allem flächendeckende – auf Blockchain basierende – Bezahllösungen angeboten werden, ist es für Händler an der Zeit, darüber nachzudenken, ob auch für sie und ihre Kunden Transaktionen via Blockchain ein Gewinn sein können. Auch wir von Concardis befassen uns schon heute mit der neuen Technologie und denken gemeinsam mit dem ProcessLab darüber nach, wie die Blockchain zukünftig unsere Paymentlösungen verändern können.

Natürlich informieren wir unsere Kunden frühzeitig über Neuerungen und relevante Anwendungsfälle der Blockchain.

Sie haben auch Fragen zu Innovationen rund ums Payment? Schreiben Sie uns gern über unser Kontaktformular.

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